Ausgewählte Textbeitrage zur anleitenden Kommunikation
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Fragen und Antworten*) zu Guiding Media

F: Was soll man sich unter Guiding Media vorstellen?
A: Guiding Media sind Medien, die Anleitungen geben. Der Rezipient ist mit einer konkreten Aufgaben- oder Themenstellung konfrontiert, und dieses anleitende Medium zeigt ihm, wie vorzugehen ist.

F: Der Begriff Guiding Media kann dann sehr viele unterschiedliche Medienformen umfassen. Welche?
A: Das geht von der Putzanleitung auf einer Flasche über Gebrauchsanleitungen und technische Instruktionen bis zu Orientierungssystemen.

F: Warum soll man alle diese Medienformen unter einem einheitlichen Gesichtpunkt betrachten?
A: Weil sie alle, so unterschiedlich sie sind, den selben Regeln von Instruktionen folgen.

F: Sind das im wesentlichen didaktische Regeln, oder gibt es darüber hinaus andere Instruktionsregeln?
A: Didaktik spielt eine wichtige Rolle, aber es handelt sich nicht einfach um angewandte Lerntheorien. Guiding Media vermitteln nicht primär Wissen, sondern zielen auf das Können ab. Auf den Punkt gebracht kann man sagen: sie zeigen, wie's geht.

F: Die Handlungspraxis steht also im Vordergrund?
A: Ja. Eine Gebrauchsanleitung zum Beispiel ist eben nicht aufgebaut wie ein Lehrbuch der Geschichte.

F: Wir alle kennen schlechte Gebrauchsanleitungen. Woran liegt das?
A: Ich glaube, dass die Bedeutung dieses Themas für viele Firmen nocht immer nicht ausreichend bedacht ist. Und das zu ihrem Schaden. Ich kenne kein erfolgreiches Produkt, das sehr umständlich zu bedienen ist. Umständlich zu bedienende Produkte haben auch schlechte Gebrauchsanleitungen. Oder anders ausgedrückt: Kundenfreundlichkeit zeigt sich auf allen Geschäftsebenen.

F: Das würde bedeuten, dass man Guiding Media-Fachleute bei der Produktentwicklung fragen sollte?
A: Gute Idee. Guiding Media-Leute denken immer an den Rezipienten, Techniker denken an die Machbarkeit, die Firmenleitung an Zahlen. Das ist natürlich verkürzt dargestellt, aber Ihre Frage ging von schlechten Gebrauchsanleitungen aus.

F: Ohne ins Detail zu gehen - was macht eine gute Gebrauchsanleitung aus?
A: Ich könnte jetzt mit den Schlagworten Vollständigkeit, Richtigkeit, Objektivität usw. antworten. Aber ich versuche es mit einem Vergleich. Eine gute Gebrauchsanleitung ist einem guten Kochbuch ähnlich: es regt zum Nachmachen an, ist thematisch gegliedert, die Anleitungen sind schrittweise erklärt, es enthält Warnhinweise, hat ein Stichwortverzeichnis etc. Im übrigen gibt es für die Gestaltung von Gebrauchsanleitungen als Teil der technischen Dokumentation rechtliche Vorschriften. Es geht ja auch um die Geräte- und Produktsicherheit.

F: Sie erwähnten anfänglich Orientierungssysteme? Inwieweit sind diese Guiding Media-Anwendungen?
A: Sie stellen gleichsam Gebrauchsanleitungen für Räume dar. Wie benutze ich etwa einen Gebäudekomplex, um mein Ziel zu erreichen.

F: Und ein Orientierungssystem folgt den selben Prinzipien wie eine Gebrauchsanleitung?
A: Im Prinzip ja. Denken Sie an die eindeutige und einheitliche Begriffswahl oder an die systematische Klarheit; aber auch an die grundsätzliche Aufgabenstellung: der Rezipient kennt sich anfänglich nicht aus und soll durch Anweisungen Sicherheit im Gebrauch finden. Da wie dort herrschen die selben Kommunikationsregeln.

F: Sind Trainingsanleitungen im Sport auch Guiding Media?
A: Sie sind ein gutes Beispiel dafür. Hier geht es um das Optimieren von Bewegungsabläufen. Mentales und körperliches Lernen sind prinzipiengleich. An diesem Beispiel wird aber noch etwas anderes deutlich: ein anleitendes Medium - ob es sich nun um ein Buch oder eine DVD oder eine Anwendung im Internet handelt - hat auch einen starken Beziehungs-Charakter.

F: Beziehung-Charakter von Guiding Media? Wie ist das zu verstehen?
A: Wenn Ihnen jemand sagt, er weiß wie es geht, dann müssen Sie ihm vertrauen, wenn Sie von ihm lernen wollen. Es bleibt Ihnen da nichts anderes übrig, als ein Vertrauensverhältnis zu dieser Autorität zu akzeptieren. Wenn das keine Beziehung ist?!

F: Und was bedeutet das für ein Buch oder eine DVD?
A: Dass das Medium, allgemein gesprochen, am Beginn Lernbereitschaft herstellen soll. Das geschieht zum Beispiel durch ein einladendes Erscheinungsbild. Und schon daran sieht man, dass eine Zielgruppe mit typischen Eigenschaften anzusprechen ist und nicht einfach etwas Anonymes. Jugendliche Musikfans unterscheiden sich erheblich von älteren Bildungsbürgern. Die Gebrauchsanleitung für das neue Handy spricht aber in der Reghel beide Gruppen nicht lern-optimal an. Die einen denken gar nicht daran, das un-coole Heftchen zu lesen, für die anderen ist dieses unverständlich geschrieben.

(*) Befragt wurde Reinhold Seitl, Autor des Buches "Guiding Media - Instruktive Informationen vermitteln".

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